Ein Jahr tiergestützte Intervention für die Bewohner*innen
Einleitung
Das Konzept der Hundetherapie, das schon einmal erfolgreich im St. Elisabeth Haus eingeführt wurde, hatte sich als wertvolle Bereicherung im Alltag der Bewohner*innen erwiesen. Leider musste das Angebot damals aus finanziellen Gründen eingestellt werden. Umso erfreulicher ist es, dass der Förderverein des Hauses mit großzügiger Unterstützung der Freiherrlich Heereman von Zuydtwyck-Stiftung die Hundetherapie nun in neuem Umfang für ein ganzes Jahr ermöglichen kann. Ab sofort kommen zwei ausgebildete Fachkräfte sowie zwei zertifizierte Therapiehunde – ein Goldendoodle und ein Kleinpudel – regelmäßig einmal im Monat ins Haus.
Rahmenbedingungen des Projektes
Der Förderverein hat es ermöglicht, zwei qualifizierte Fachkräfte sowie zwei speziell geschulte Therapiehunde für monatliche Einsätze zu buchen. Die Fachkräfte sind sowohl in therapeutischer Arbeit als auch in der tiergestützten Intervention erfahren und bringen die notwendigen Qualifikationen als Hundebegleiter*innen mit. Die Hunde selbst – ein Goldendoodle und ein Kleinpudel – zeichnen sich durch ihre Freundlichkeit, Stressresistenz und hohe Sozialkompetenz aus. Beide Tiere besitzen alle notwendigen Zertifikate gemäß den aktuellen Richtlinien für tiergestützte Therapien.
Das Konzept der tiergestützten Therapie legt einen besonderen Schwerpunkt auf die natürliche Bindung zwischen Mensch und Tier. Hunde sind in der Lage, nonverbal zu kommunizieren, ein Gefühl von Geborgenheit zu vermitteln und emotionale Barrieren zu durchbrechen. Gerade im Umgang mit älteren oder demenziell erkrankten Menschen eröffnen sich durch den Einsatz von Tieren neue Wege, die Lebensqualität zu steigern und individuelle Heilungsprozesse zu unterstützen.
Ziele und Vorgehen der Hundetherapie
Die Hundetherapie im St. Elisabeth Haus verfolgt mehrere zentrale Ziele, die auf die besondere Situation, Bedürfnisse und Herausforderungen der Bewohner*innen zugeschnitten sind.
Förderung der psychischen Gesundheit: Die regelmäßigen Besuche der Therapiehunde dienen dazu, Stress, Angst und depressive Verstimmungen zu reduzieren. Der Kontakt mit den Tieren wirkt beruhigend und ausgleichend, stärkt das Selbstwertgefühl und unterstützt die emotionale Stabilität.
- Stärkung der sozialen Interaktion: Die Begegnung mit den Hunden regt Gespräche an und fördert die Kommunikation unter den Bewohner*innen. Gemeinsame Erlebnisse schaffen neue Anlässe für Austausch und tragen dazu bei, soziale Fähigkeiten und Empathie weiterzuentwickeln. Das Vertrauen in die Mitmenschen und in das Betreuungsteam wird durch den tiergestützten Ansatz ebenfalls gestärkt.
- Erhalt und Förderung kognitiver Fähigkeiten: Die Interaktion mit den Tieren schließt verschiedene Übungen und spielerische Elemente ein, die Gedächtnis, Konzentration und Wahrnehmung anregen. Die Bewohner*innen werden motiviert, sich an frühere Erlebnisse zu erinnern oder neue Erfahrungen zu sammeln.
- Unterstützung der Mobilität und Motorik: Durch das Streicheln, Bürsten oder Füttern der Hunde werden Bewegung, Feinmotorik und Koordination gefördert. Auch das Gehen mit dem Hund, das Werfen eines Balls oder einfache, gezielte Bewegungsaufgaben regen zu körperlicher Aktivität an.
Das Angebot richtet sich insbesondere an Bewohner*innen mit Demenz, steht jedoch
grundsätzlich allen offen, die von der tiergestützten Therapie profitieren möchten.
Einblicke in die Praxis
Die Hundetherapie-Einheiten beginnen meist mit einer Begrüßungsrunde, in der die Hunde auf sanfte und ruhige Art Kontakt zu den Bewohnerinnen aufnehmen. Schnell lässt sich beobachten, wie sich die Stimmung im Raum verändert: Skepsis oder Zurückhaltung weichen einem Lächeln, neugierigen Blicken oder vorsichtigen Berührungen. Die Tiere bringen Abwechslung und Leichtigkeit in den Alltag. Im Verlauf der Sitzungen werden verschiedene Aktivitäten angeboten, die sich an den individuellen Bedürfnissen und Möglichkeiten der Teilnehmenden orientieren. Manche Bewohnerinnen genießen es einfach, einen Hund zu streicheln und dessen Nähe zu spüren, andere nehmen aktiv an Spielen oder kleinen Aufgaben teil.
Besonders beeindruckend ist, wie die Anwesenheit der Hunde vergessene Geschichten und Erinnerungen wach werden lässt. Immer wieder berichten Mitarbeitende und Angehörige, dass Bewohner*innen plötzlich von früheren Erlebnissen mit eigenen Haustieren erzählen oder erstmals seit Langem wieder ins Gespräch kommen.
Reaktionen und Erfolge
Der Erfolg der tiergestützten Therapie lässt sich oft in kleinen Gesten und Veränderungen ablesen: In entspannter Mimik, freudigen Ausrufen oder dem wachsenden Mut, sich auf Neues einzulassen. Auch Bewohner*innen, die sonst wenig ansprechbar sind, zeigen erstaunliche Reaktionen. Die Tiere wirken als Vermittler und öffnen Türen, die für menschliche Helfende oft verschlossen bleiben.
Ein zentrales Ziel der Hundetherapie ist es, die Lebensqualität zu erhöhen und das Wohlbefinden nachhaltig zu steigern. Die regelmäßigen Besuche der Therapiehunde führen nachweislich zu mehr Lebensfreude, gesteigertem Selbstwertgefühl und emotionaler Stabilität. Angehörige und Betreuungspersonal bestätigen, dass die Teilnehmenden gelassener, ausgeglichener und kommunikativ offener wirken. Die tiergestützte Therapie wird so zu einem wertvollen Baustein in der ganzheitlichen Versorgung der Bewohner*innen.
Ausblick
Ziel ist es, bei entsprechend positiver Entwicklung weitere Unterstützer*innen zu gewinnen und das Angebot verstetigen zu können.
Es bleibt zu hoffen, dass die Erfahrungen aus diesem Jahr dazu beitragen werden, das Konzept der tiergestützten Therapie noch stärker im St. Elisabeth Haus sowie in anderen Einrichtungen zu verankern – zur Freude und zum Wohl aller, die dort leben und arbeiten.
Danksagung
Abschließend gilt ein besonderer Dank der Freiherrlich Heereman von Zuydtwyck-
Stiftung. Ohne ihr Engagement und ihre großzügige Unterstützung wäre die Rückkehr der Hundetherapie nicht möglich gewesen. Ebenfalls danken wir den beiden Hundetherapeut*innen, den Therapiehunden und allen Beteiligten, die durch ihre Offenheit und Begeisterung das Projekt mittragen.
Die Hundetherapie beweist eindrücklich, wie Tiere Brücken bauen – zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Menschen und ihren Erinnerungen, zwischen Isolation und neuer Lebensfreude.


